Gröbener Forst

Gerolsbach (gdr) Eine Apotheke und ein Wunderkästchen kann der Wald sein, wenn man sich auskennt. Diese Erfahrung machten die Drittklässler der Mühlrieder Grundschule, als sie im Gröbener Forst  zusammen mit Frauke Albuszies auf dem Natur- und Kunstpfad unterwegs waren. Die Bilder der neuen Station  Waldvogelgalerie haben die Drittklässler gemalt.
Immer weniger Kinder kennen die verschiedenen Vogelarten, hatte Frauke Albuszies, Projektleiterin von "Wald mit allen Sinnen" und Initiatorin des Natur- und Kunstpfades, bei ihren Führungen immer wieder festgestellt. Daraus war die Idee für einen Wettbewerb entstanden. "Wer malt den schönsten Waldvogel" hieß das Motto für die Drittklässler. Ein kleiner Anstoß, der viel ins Rollen gebracht hat, freute sich die Projektleiterin. Denn der Wettbewerb entwickelte sich teilweise zu einem Mehrgenerationenprojekt.
Einige Opas hätten sich als Vogelkundler engagiert, wusste sie von den Kindern. In anderen Familien waren die Eltern zusammen mit dem Nachwuchs zum Vögel beobachten in den Garten gegangen. Heraus gekommen war auf jeden Fall eine Vielzahl von schönen Bildern, bei denen Albuszies vor allem von der Detailgenauigkeit fasziniert war. In der neuen Station Waldvogelgalerie hat sie alle Arbeiten ausgestellt und Besucher können raten, um was für einen Vogel es sich handelt. Mit den Bildern von der vierten Klasse der Grundschule Schrobenhausen, die sich an dem Wettbewerb ebenfalls beteiligte, will die Projektleiterin eine bereits vorhandene Station noch weiter ausbauen.


Distelblatt abgerissen

Eigentlich sind die Schüler nun also unterwegs zu der neuen Station, um zu sehen, was aus ihren Bildern geworden ist. Das haben sie aber schnell vergessen, denn auf dem Weg dorthin sind sie damit beschäftigt, die verschiedensten Dinge zu sammeln. Etwas Stacheliges, etwas Gerades, einen roten Gegenstand, etwas das gut riecht oder das vom Wind weggetragen worden war sollen sie finden, lautet die Aufgabe der Projektleiterin. Die langen Halme am Feldrand werden sofort in die mitgebrachten Tüten gestopft. Vorsichtig befühlen sie die Blätter einer Distel. Ganz schön stachelig. Aber mit etwas Gefühl lässt sich sogar ein Stückchen von dem Blatt abreißen, ohne dass sie sich stechen. Die Tannenzapfen am Boden passen auch genau in das Beuteschema. Nur dass es sich dabei gar nicht um Tannenzapfen handelt. Das seien die Zapfen von Fichten, erklärt ihnen Albuszies.

Hustensaft aus der Natur

Die sorgt im Laufe des Vormittags noch für manche Überraschung. Aus den Maiaustrieben der Fichten hätten die Omas früher den Hustensaft gemacht, erzählt sie den Drittklässlern. Vorsichtig zwischen den Fingern gerieben, entfalten die jungen Austriebe ihr Aroma. Der Geruch gefällt Tobias so gut, dass er sich ein paar davon mitnimmt, um sie in sein Zimmer zu legen. Milena und Sofia sammeln Klee, den sie als Geschenk für ihre Hasen mit nach Hause nehmen wollen. Die Blüte des Nelkenwurz bleibt Sarah an ihrem Pullover kleben. "So verbreitet sich die Blüte", erfahren sie von Albuszies. Trotz der Widerhaken sei es aber keine Klette. Viele "Ahs" und "Ohs" gibt es für den großen hölzernen Adler, der auf einem Podest am Wegrand sitzt. Die Eule ein paar Meter weiter hatte Besuch von einem Buntspecht. Statt eines Schnabels ist da nur noch ein kreisrundes Loch zu sehen, das der Specht als Nisthöhle ausgebaut hatte.
Der Wald birgt aber noch ganz andere Überraschungen. Er kann auch als Apotheke dienen. Das lernt Chiara, als sie den Brennnesseln zu nahe kommt. Damit der Finger nicht mehr so brennt, bekommt sie ein Pflaster aus Spitzwegerich, das mit Grashalmen festgebunden wird.

Von Gerlinde Drexler